Schlipse und Geldbörsen aus Fahrradschlauch

moneytubes

Das Atelier von Andreas Bauer im aufstrebenden Dresdner Stadtteil Pieschen ist von kreativem Chaos bestimmt. Riesige selbst gemalte Bilder, ein mit Motorsäge bearbeiteter Baumstamm und Lobo, ein zweieinhalbjähriger ehemaliger spanischer Straßenhund, begrüßen die Besucher. Gleich hinter der Eingangstür der früheren Spielhalle befindet sich die Werkstatt des Zwei-Mann-Unternehmens Moneytubes. Dreh- und Angelpunkt ist eine betagte Singer-Nähmaschine.

Bauer und sein Kompagnon Maik Queißer fertigen hier in Handarbeit Geldbörsen, Kreditkartenhalter, Federmappen, Schlipse und Gürtel. Die Marke Moneytubes, entstanden vor sechs Jahren bei einem Gründerwettbewerb, hat inzwischen Kultstatus in der Rad- und Partyszene.

Das gesamte Sortiment hat eine Gemeinsamkeit: Sämtliche Artikel werden aus gebrauchten Fahrradschläuchen oder -reifen hergestellt. „Diese werden zunächst gereinigt und zugeschnitten“, sagt der 31-jährige Student, der sich schon in verschiedenen Fachrichtungen ausprobiert hat. Danach werden sie geklebt, mit Label versehen und je nach Modell ein Reißverschluss eingenäht oder ein Druckknopf eingestanzt.

„Wir machen noch alles selbst“, sagt Bauer. Er verweist darauf, dass Gummi nicht einfach zu bearbeiten ist. Ungeübte Hilfskräfte hätten nicht die erforderliche Qualität liefern können.

Deshalb musste Moneytubes bereits Großaufträge wie für den Shop einer Fluggesellschaft und andere Merchandise-Aktionen sausen lassen. „Wir können nicht in wenigen Wochen Tausende zusätzliche Produkte in Handarbeit nebenbei anfertigen“, sagt der Firmengründer.

Zumal die beiden Gesellschafter noch anderen beruflichen Beschäftigungen nachgehen: Der bekennende Fahrradfreak Bauer etwa hat Aufträge auch als freiberuflicher Grafiker und Maler.Vor sechs Jahren, nach einer Marketing-Vorlesung an der TU Dresden, hatte sich Bauer gemeinsam mit einem Kommilitonen am „5-Euro-Business-Wettbewerb“ der „dresden exists“ beteiligt. Ihre Idee des ungewöhnlichen Reifenrecyclings überzeugte die Juroren, und nach dem gewonnenen Existenzgründerwettbewerb war Moneytubes geboren. Im Laufe der vergangenen Jahre wechselten Bauers Mitstreiter, die eingetragene Marke aber blieb und wurde nach und nach ausgebaut.

Inzwischen eroberten die Accessoires neben der ursprünglich als Zielgruppe ausgewählten Radsportszene auch die Clubszene in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Dieses Jahr will Moneytubes nun auch in Frankreich Fuß fassen.

Schutzhülle im Reifendesign

Bauer, der sich selbst als kreativen Kopf der Firma bezeichnet und in seiner Freizeit auch noch regelmäßig als Schauspieler beim Dachtheater-Verein in seiner Heimatstadt Freital auf der Bühne steht, gibt den Jahresumsatz des Unternehmens mit bis zu … Euro an. In diesem Jahr will die Firma ihr Sortiment erweitern. Geplant ist eine gepolsterte Netbook-Hülle im Reifendesign.

Jährlich werden von „dresden exists“ zwischen 50 und 70 Gründungsideen begleitet, aus denen etwa 20 Unternehmen hervorgehen. Seit 1999 sind dabei mehr als 200 Unternehmen in der Region entstanden mit aktuell rund 1.400 Mitarbeitern, wie Sprecherin Susan Maiwald sagt. Die Firmen erwirtschaften insgesamt rund 60 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.

(12.02.2012, 14:39 Uhr | dapd)